, Rolf

3 Länder Bikemarathon

Am Mittwoch, 8. August reisten wir mit dem Auto nach Scuol, und am folgenden Morgen starteten wir bei leichter Bewölkung dem Inn entlang über Sur En, um die einmalig wilde Uinaschlucht unter die Räder - und im oberen Teil unter die Füsse - zu nehmen. Auf rund 11 km mussten wir über 1000 Höhenmeter bewältigen. Bis zum Eingang der Schlucht profitierten wir von mehrheitlich trockenem Wetter. Als wir die Lauf- und Stossphasen in der gewaltigen Schlucht in Angriff nahmen, setzte leichter Regen ein. Der in den Fels gehauene Weg ist nur gerade 1 bis 2 Meter breit. Links fällt die Felswand teilweise senkrecht bis 150 Meter zum Fluss Uina ab! Es ist ein Vorteil, wenn man schwindelfrei ist, denn man muss sowohl Biker wie Berggänger kreuzen können.

 

     

Uinaschlucht

 Nach rund 17km erreichten wir bei leichter Bewölkung den Ausgang der Schlucht. Bis zum Passo di Slingia (bereits auf italienischem Gebiet) müssen wir das Bike weiterhin mehrheitlich schieben. Bei der Sesvenahütte auf 2150 Metern kehrten wir ein und verpflegten uns und diskutierten die Erlebnisse aus der Schlucht mit Bikern aus Stuttgart. In rasanter Fahrt setzten wir die Tour bis Burgusio im Vintschgau auf 1200 m fort. Via Laatsch (950 m) fuhren wir auf wunderschönen Bikewegen und Trails der Schweizer Grenze entgegen. Via Müstair erreichten wir nach gut 50 km und rund 1700 HM unseren 1. Etappenort Sta. Maria.

Am Freitagmorgen starteten wir bei wiederum bewölktem Himmel und mit Neuschnee bedeckten Berggipfeln unsere 2. Etappe. Die Route führt über die Original Bike-Marathon-Strecke No. 444 via Döss Radond auf 2234 m ins einsame und wilde Val Mora. Natur pur! Auf teilweise - mindestens für uns – schwierigen Trails durch Geröllhalden kamen wir zum Ufer des Stausees Lago di S. Giacomo die Fraéle, 1952 m. Nach kurzer Verpflegungspause nahmen wir den Weg zum Passo Alpisella auf 2268 müM. Auf der rechten Seite konnten wir dolomitenähnliche Bergflanken bestaunen. Auf einem landschaftlich einmalig schönen aber stark frequentierten Bikeweg sausten wir hinunter zum Stausee nach Livigno. Es ist vorteilhaft, in den engen Kurven keine Fahrfehler zu begehen, sonst findet man sich 50 bis 100 m tiefer unten wieder! Nach gut 40 km und nur etwa 1300 HM erreichten wir bei Sonnenschein das zollbefreite Dorf Livigno. Es tut weh, die planierten Berghänge zu sehen.

     

Val Alpisella

 

     

Chaschaunapass 2694 m

Am Samstagmorgen ist es in Livigno (1800 m) bedeckt und kühl. Durch das Valle di Federia fuhren wir wieder auf der Nr. 444 Richtung Pass Chaschauna. Kurz nach Livigno machten wir bereits einen Halt um am Gegenhang eine Murmeltierkolonie von 14 -16 jungen und alten Tieren zu beobachten. Ich habe noch nie so nahe und auf so engem Raum so viele Murmeltiere beobachten können. Nach knapp einer Stunde biken hinauf auf 2200 m wird der Weg so steil, dass wir das Bike für die nächste gute Stunde und rund 400 Höhenmeter schieben mussten. Auf kurzen Abschnitten könnte man fahren, aber das Auf- und Absteigen auf dem steilen Weg kostet zuviel Substanz. 100 Meter

unter dem Chaschaunapass gönnten wir uns in der gleichnamigen Hütte noch eine Verpflegungspause. Es sind nur wenige Biker unterwegs und dennoch beobachten wir einen, der im zügigen Tempo an uns vorbei fährt und sogar in der Lage ist im steilsten Gelände wieder anzufahren! Uns fehlen dazu sowohl die Kraft wie die Technik. Oben auf

dem Pass hatte es gerade noch 6°C. Wir rüsteten uns für die "Abfahrt" im Wissen, dass es für einen Biker unseres Könnens fast unmöglich ist, den nächsten steilsten Abschnitt von rund 2700 auf 2300 Meter hinunter zu fahren! Nachdem wir den schwierigsten Teil des Trampelpfades geschafft hatten, starteten wir unser Downhill-Race nach Schanf in einer einmaligen Landschaft und auf sensationellen Forstwegen. Unten im Tal auf rund 1700 m und wieder angenehmen Temperaturen folgten die nächsten 14 km nach Zernez. Dort gönnten wir uns eine kurze Kaffeepause.

Weiter auf der Bikemarathonstrecke Nr. 444 radelten wir via Susch – Lavin - Guarda – Ardez – hinauf nach Ftan auf 1800 Meter und wieder hinunter nach Scuol.

Rolf Niethammer