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Nauders Jahresausflug 2011

Pascal 28.06.2011

Tag 0: Wilen – Nauders

„Neun Biker sollt ihr sein!“ Endlich war es soweit – am Mittwoch um 17.00 Uhr trafen sich die Teilnehmer des diesjährigen Saisonhöhepunkts beim Casagrande. Neben Bike und Klamotten, viel Vorfreude und gute Laune im Gepäck. Nachdem Material und Kollegen auf die Autos verteilt waren, gings dann Richtung Nauders los. Auch der zwischenzeitlich ziemlich starke Regen unterwegs konnte der ausgelassenen Stimmung nichts anhaben.

Nach zirka 2 ½ Stunden Fahrt kamen wir gut in Nauders an und wurden von der freundlichen Receptionistin angehalten, uns unverzüglich in den Speisesaal zu begeben, da doch bereits rund eine Stunde später der Biker-Stamm mit Tourenbesprechung abgehalten wurde.

Nachdem wir ein vorzügliches 5-Gang-Menü mit einem grossen Bier verzehrt hatten, stellte uns Harry Ploner, Nauderer-Bike-Pionier und Hotelinhaber, die geplante Tour für den folgenden Tag vor.

Um ca. 22.00 Uhr konnten dann endlich die Bikes im Bikekeller parkiert und die Zimmer bezogen werden. Alle Teilnehmer waren ob der sehr grosszügig konzipierten Zimmer hoch erfreut und lobten bereits jetzt schon das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis. Nachdem dann die sieben Sachen ausgepackt waren und die Zimmer der Anderen begutachtet wurden, trafen sich einige Teilnehmer noch zu einem Jägermeister an der Hotelbar, bevor dann alle mehr oder weniger müde in die Federn fielen. 

Tag 1: Nauders - Goldseehütte – Bergkastel – Plamort – Reschensee – Reschner-Alm – Schwarzsee – Nauders (37.6 km / 1‘540 hm)

Die erste Tagestour sollte uns die Highlights in der näheren Umgebung von Nauders zeigen. Da der Start auf 09.30 Uhr angesetzt war sassen wir bereits um 08.00 Uhr am Frühstückstisch und genossen das üppige Buffet mit frischen Rühreiern und 21 Sorten Flocken. Pünktlich um 09.30 Uhr begrüsste uns unser Guide Gerry, ein ehemaliger Cross-Country-Rennfahrer, und machte bei unseren Bikes einen Kurz-Check. Nachdem er uns den ersten Teil der Tour im Detail vorstellte, machten wir uns auf den Weg.

Uns blieb keine Zeit zum Einrollen, stieg die Route doch gleich markant an, so dass wir nach 6 km bereits rund 500 hm getreten hatten. Nach einer kurzen Verschnaufpause gings dann mit weiteren Steigungen zwischen 10 und 15 % und einer Schiebepassage, auf der es dann auch zu regnen anfing, auf den Bergkastel auf 2‘170 m.ü.M.. Dort hatten wir den ersten Plattfuss des Ausflugs zu flicken – Reini hatte einen Dorn erwischt. Nach getaner Reparatur und Zwischenverpflegung nahmen wir dann die Abfahrt mit einem ersten Singletrail in Richtung Panzersperren und Fotofelsen auf dem Plamort unter die Räder. Nach einer Fotosession gings in rasantem Tempo Richtung Reschen hinunter – leider mussten wir wegen des nassen Untergrundes den Singletrail auslassen.

Unten in Reschen angekommen, erwartete uns dann wieder ein langer ruppiger Anstieg von rund 45 Minuten Länge, der anhaltende Regen machte die monoton wirkenden Schotterstrassen dann auch zur Bewährungsprobe. Auf der Reschneralm wurden wir dann aber mit Kaiserschmarren und Spaghetti Bolognese belohnt.

Der Nauderer-Wettergott schien Erbarmen mit uns zu haben, denn als wir nach dem Mittagessen den zweiten Teil der Tour unter die Räder nahmen, schonte das Wetter. Nun standen rund 600 hm Singletrails auf dem Programm. Die nassen und schlammigen Verhältnisse verlangten uns sehr viel ab, und forderten den Einen oder Anderen Rutsch-Sturz, welche aber glücklicherweise verletzungsfrei ausgingen.

Diverse Passagen zeigten uns unsere Grenzen auf und zwangen uns zum Schieben. Vielleicht hätten einige Teilnehmer bei trockenem Untergrund einen Versuch gewagt – doch an diesem Tag siegte die Vernunft. Am Schwarzsee angekommen erwartete uns zum Schluss nochmal eine rasante Abfahrt auf sehr holprigen und steilen Schotterwegen mit scharfen Schiefersteinen. Joachim, Alex‘ Kollege, der für Armin nachgerückt war, bekam diese in Form eines aufgeschlitzten Reifens zu spüren – dies war umso ärgerlicher, war Nauders doch bereits in Sichtweite.

Nachdem die schlammigen Bikes wieder sauber in der Garage standen erholten sich einige in der Sauna und andere beim Sightseeing und Shopping in Nauders.

Nach einem weiteren sensationellen 5-Gang-Menü erklärte uns Bike-Guide Gerry den Ablauf der Königsetappe ins Val d’Uina vom Freitag. Im Wissen, was uns erwartete, ging die Hälfte der Teilnehmer früh zu Bett – die andere Hälfte beschloss den Abend bei einem externen Absacker im örtlichen Monkey-Pub.

Tag 2: Nauders – Burgeis – Schlinig – Sesvenna-Hütte – Val d’Uina – Sur En – Norbertshöhe – Nauders (70.7 km / 2‘180 hm)

Frisch gestärkt vom Frühstück gings bereits um 09.00 Uhr in Richtung Vinschgau los. Die ersten rund 10 km standen im Zeichen des gemütlichen Einrollens – dies war auch nötig, erwarteten uns doch über 2‘000 Höhenmeter. Ab Burgeis begann die Route nun kontinuerlich zu steigen – erst auf Teer, dann auf Wald- und Schotterwegen. Ein wirklich ruppiger Anstieg führte uns dann nach Schlinig, wo es dann gemäss unserem Guide zirka 3 km dahin „plätscherte“. In Wirklichkeit gings immer noch mit ca. 4 % Steigung bergauf.

Langsam wurde die Umgebung immer alpiner und karger, der Weg immer steiler, die Temperatur immer kühler. Zum Glück war es von oben her trocken. Irgendwann wurde der Weg so steil, dass ein Fahren nicht mehr möglich war – die „Schwarze Wand“ war erreicht. Nun stand uns eine rund halbstündige Schiebepassage bevor. Es war kühl und neblig. Zwischendurch konnten wieder einige Meter gefahren werden. Und auf einmal schimmerte sie aus dem Nebel: die Sesvenna-Hütte – unser Mittagsziel auf 2‘370 m.ü.M. war erreicht.

Die Hirten-Makkaroni schmeckten so gut wie noch nie, sollten sich aber auf dem weiteren Verlauf der Tour nicht als geeignetes Biker-Menü herausstellen, wurde doch die Darmtätigkeit beim einen oder anderen Biker massiv angeregt, was sich am Nachmittag in gewissen Gerüchen niederschlagen sollte.

Nach rund einer Stunde Mittagspause nahmen wir dann den alpinen Singletrail hinunter zur Uina-Schlucht unter die Stollen. Genial, zum grossen Teil fahrbar und meist etwas abfallend näherten wir uns dem Highlight der heutigen Tour dem Val d‘Uina.

Es ist fast nicht zu beschreiben: erst wird das Tal immer enger und dann, dann auf einmal öffnet sich die Schlucht und du siehst weit ins Engadin hinein. Tief beeindruckt und mit leuchtenden Augen schritten wir durch die Schlucht. Mancher schlief an diesem Abend mit den Gedanken bei diesem gigantischen Trail ein.

Was danach folgte, lässt jedes Bikerherz höher schlagen. Eine Abfahrt von 10 km Länge. Schotterstrasse mit lang gezogenen Kurven, immer abfallend und Spitzengeschwindigkeiten bis zu 50 km/h. Noch immer benommen vom Geschwindigkeitsrausch erreichten wir Sur En im Engadin.

Entlang dem Inn gings nun in rasantem, aber nicht mehr ganz so schnellem Tempo Richtung Martina, wo wir gerade rechtzeitig auf die Durchfahrt der Tour de Suisse ankamen, und unsere Freunde von der Strasse anfeuerten.

Zum Schluss standen dann noch einmal ca. 500 hm ruppiger Anstieg auf Wald- und Schotterwegen auf dem Programm. Dies wohlgemerkt nach rund 60 km in den Waden. Das Feld der Teilnehmer zog sich in die Länge und auch das Material zollte Tribut – so streikte Jürgens Federgabel und bei Guide Gerry riss das Schaltkabel der Kurbel.

Nach 5 ½ Stunden Fahrzeit erreichten wir dann trocken und ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle unser Hotel in Nauders. Müde aber glücklich machten wir uns daran, unsere Knochen zu regenerieren – die Einen in der Sauna, die Anderen beim Apéro. Ein wiederum exzellenter 5-Gänger, und der fast schon obligate Jägermeister trugen ihres dazu bei. 

Tag 3: Nauders – Reschensee – Brugger-Alm – St. Valentin – Graun – Reschen – Nauders (42.5 km / 860 hm)

Die Abschlusstour stand ganz im Zeichen der Regeneration, standen doch nur noch gut 800 hm auf dem Programm J. Nach einem gemütlichen Einrollen gings dann ziemlich steil zur Brugger-Alm, wo wir einen feinen Kaiser-Schmarr’n verzerrten. Zum Glück war der Kachelofen in der Gaststube in Betrieb, so waren die nassen Klamotten nach unserer Rast wieder fast trocken. Dies war auch nötig, denn bereits nach einer halben Stunde hatte ziemlicher Regen eingesetzt, der uns bis zum Schluss der Tour begleitete.

Nach dem Essen gings dann nur noch bergab. Die Trails waren aufgrund der Nässe und rutschigen Felsen und Steine jedoch ziemlich anspruchsvoll zu fahren und verlangten einiges an Vorsicht. Am Haidersee angelangt, ging es im Stile einer Spinning-Lektion eben mit Geschwindigkeiten mit teilweise über 40 km/h zurück nach Nauders.

Nach einer wohlverdienten und nötigen Dusche, dem Verladen von Bike und Gepäck und einer Jause am Nachmittagsbuffet, gings dann wieder zurück in Richtung Heimat.

Die drei Tage in Nauders würde ich wie folgt zusammenfassen: geniale Truppe, tolle Stimmung, sensationelles Hotel mit exzellentem Preis-Leistungsverhältnis, superkompetenter Guide und Bikerevier, das noch einiges mehr zu bieten hat – die Teilnehmer sind sich einig: Nauders, wir kommen wieder!!! 

Teilnehmer: Röbi, Alex, Ralph, Jürgen, Reini, Pädi, Pablo, Joachim, Pascal