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Gümmelen am Reschen

Christoph 27.08.2014

weniger Bilder - mehr Worte ( - und Kilometer)

An einem Donnerstagabend im August machten sich vier Gümmeler vom Bike Team auf in Richtung Dreiländereck an den Reschenpass. Organisator Pascal hatte schon seit Wochen alles vorbereitet: Hotel Central in Nauders und Firmenbus von Acrevis waren organisiert. So ging's pünktlich um 16.45Uhr los mit Jürgen, Mario und mir, inkl. vier Rennmaschinen im Gepäck (2x Carbon, 2x Alu).

Da Pascal und das Bike Team Wilen sich nach zwei Bike-Aufenthalten ja schon zu den Stammkunden zählen dürfen war der Empfang durch Hotelwirt Harry Ploner und Bikeguide Geri umso herzlicher. Des Letzteren Freude wurde jedoch schnell getrübt, als klar wurde dass wir anstatt den Bikes die Rennvelos dabei hatten. Die Unterkunft, erste Wahl in Nauders mit Vier-Sterne-Service liess nichts zu wünschen übrig.

Beim Willkommens-Bier wurde der Marschplan nach ausführlicher Diskussion über Wetter, Routen und Fahrzeiten dann festgelegt:

  • Freitag: Samnaun
  • Samstag: Ofenpass
  • Sonntag: Stilfser Joch

Samnaun: 52km/1400hm

Pünktlich um Neun ging's rasant bergab Richtung Norden. Ohne Einfahren, eigentlich noch in der Aufwachphase, kam es einem fast surreal vor, als wir durch die halbdunklen Galerien der Reschenpassstrasse flitzten. An der Kajetansbrücke angekommen, kurzer Tenuewechsel, schnell noch einen Banane reingestopft und los ging's in die erste und steilste Steigung des Tages mit Rampen bis zu 15% Richtung Spliss. Nach einer kurzen Zwischenabfahrt zum Zoll liess die Steigung nach und wir näherten uns der schweizerischen Zollfrei-Exklave Samnaun. Nicht nur wir sondern auch eine kleine Schauerzelle war unterwegs, die uns noch 2km vor dem Dorf Samnaun erwischte. Den Rest der Regenphase verbrachten wir dann bei einem Teller Spaghetti im Trockenen. Die anschliessende Abfahrt führte uns Richtung Martina über die alte Zollfrei-Strasse. Die regennasse Fahrbahn und drei unbeleuchtete Tunnels erforderten höchste Konzentration. Nach Martina ging's wieder bergauf nach Nauders über die Norbertshöhe bei gemächlichen 3-5% Steigung zum anschl. Àpero mit Franziskaner alkoholfrei!

Ofenpass: 128km/2250hm

Gemäss der Windvorhersage (Nordföhn) hatten wir am Vorabend festgelegt die Ofenpassrunde durchs Engadin gegen den Uhrzeigersinn zu bestreiten. Die längste Etappe lag also vor uns als wir nach reichhaltigem Frühstück über die Norbertshöhe diesmal in entgegengesetzter Richtung nach Martina aufbrachen. Unterstützt durch leichten Rückenwind und Lokomotive Mario erreichten wir Susch bereits nach gut zwei Stunden zum Kaffeehalt. Weiter ging's das Engadin hinauf bis Zernez, ab dort direkt nach dem Ortsausgang in die erste Rampe hinauf zum Ofenpass.
Die 22 km lange Anfahrt von Zernez ist in zwei Teile unterteilt:
Der erste, 12 km lange Teil führte uns zunächst am Spöl entlang 6 km bis nach Ova Spin bergauf, wo man den Nationalpark betritt. Nach und nach liessen wir den Bach immer weiter unter uns, ein imposanter Anblick. Es folgte eine 6 km lange Abfahrt, die am Abbieger zum Livignotunnel endete. Dort endete auch unser Wetterglück. Leichter Regen setzte ein der sich bis zur Passhöhe hartnäckig hielt. Der zweite Teil war allerdings flacher als zuvor, am Ova dal Fuorn entlang, bis zur 10 km entfernten Passhöhe. Bei Sonnenschein, gestärkt (natürlich Spaghetti) und getrocknet (mit Hilfe des Händetrockners auf dem Herren-WC) stürzten wir uns dann die Ostabfahrt hinunter ins Münstertal und weiter über die Landesgrenze ins Vinschgau. Soweit so gut, nur wir mussten jetzt wieder zurück nach Nauders über den Reschenpass nördwärts. Wir entschieden uns für die Variante "westlicher Radweg". Zwar fast autofrei jedoch gespickt mit Rampen über 15% wurde der Schreibende vom "Hammermann" erwischt.
Trotz Krise, gegenseitig motiviert und windschattenmässig unterstützt haben es aber schlussendlich doch alle noch über den Reschen geschafft! Beim anschliessenden Weissbier (je nach Form mit oder ohne %) am "Töggele-Kasten" waren die Qualen schnell vergessen.

Stilfser Joch: 63km/1900hm

"Die Königin der Passstraßen" und "Höchster Rummelplatz Europas" sind die Superlative die mit dem Stilfser Joch in Verbindung gebracht werden. Letzterer traf an einem Sonntag im August bei schönem Wetter sicher zu. Unbestritten ist jedoch, dass es sich mit 2757 m Höhe nicht nur um den höchsten Straßenpass Italiens handelt, sondern auch um die dritthöchste Passstraße der Alpen.
Nach dem Checkout im Central verlegten wir mit dem Acrevis-Bus über den Reschenpass nach Glurns ins Vinschgau von wo aus wir bei strahlendem Sonnenschein die "Königsetappe" in Angriff nahmen. Nach ca. 5km Einrollen nach Prad ging es dort ortsausgangs direkt los am Bach entlang durch ein schattiges Tal nach Trafoi. Von dort aus durften wir die 48 nummerierten Kehren nun zurückzählen die uns erwarteten bis zum Joch. Jetzt hiess es einen Rhythmus zu finden um die 1900hm ohne grössere Schwierigkeiten zu überwinden. Der sonntägliche Verkehrswahnsinn liess uns die Freude und die atemberaubende Sicht auf König Ortler und die Gletscherwelt nicht nehmen. Leider wurde dieses Mal Pascal vom "Hammermann" erwischt, so dass er den Rückweg antreten musste. Nach spätestens 3h war nun auch der Dritte im Bunde (Autor) am Ziel an der Passhöhe um Glücksgefühle, Ausblick, Rummel und Bratwurst geniessen zu können. Damit wir nicht allzu fest auskühlten beliessen es wir bei einer kurzen Rast. Die Abfahrt über den Umbrailpass verlief relativ flott mit viel weniger Verkehr als bei der Auffahrt. Am Fuss des Passes in Sta. Maria überraschte uns Pascal, von der Krise wieder erholt, um mit uns gemeinsam die restliche Abfahrt zum Ausgangspunkt nach Glurns zurück zu machen.

Vielen Dank Organsiator Pascal und den beiden "Zug-Tieren" Mario und Jürgen für ein einmaliges Erlebnis auf zwei Rädern in herrlicher Bergwelt!

Christoph